Artenschutz im Siedlungsraum

Natur unterm Dach und vor der Haustür

Tübinger Dächer mit Stiftskirche (Bild: Doris Brötz)
Tübinger Dächer mit Stiftskirche (Bild: Doris Brötz)

Wussten Sie, dass Siedlungsräume teilweise artenreicher sind als das Umland? Das rührt daher, dass die stark dünger- und pestizidbelastete Landschaft für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt unattraktiv bis lebensgefährlich geworden ist. Siedlungen bieten einen strukturreichen Raum aus Gärten, Teichen, Mauern, Dachstühlen, Trocken- und Feuchtarealen sowie ein breites Nist- und Nahrungsangebot. Die Strukturen werden auch zur Orientierung und Revierabsteckung genutzt. 

Grünfläche gegenüber vom Kupferbau (Bild: Bunte Wiese)
Grünfläche gegenüber vom Kupferbau (Bild: Bunte Wiese)

Der Erhalt und die Aufwertung von Gärten und kleinen Biotopen im Siedlungsraum ist relevant für den Natur- und Artenschutz. Durch die vorangetriebene Verbauung und die Innenverdichtung gehen die „Grünen Inseln“ als ökologische Trittsteine zunehmend verloren. Bei unvermeidbarer Verbauung ist es daher wichtig Gebäude ökologisch aufzuwerten mit beispielsweise Nisthilfen und Balkonbepflanzungen, sowie Fassaden- und Dachbegrünungen. Hier kann jeder, ob Einfamilien-hausbesitzer, Wohnungsbauträger, Naturfreund, Mieter, Behördenvertreter, Bauhandwerker oder Architekt selbstverständlich aktiv mitwirken.

Mehlschwalbe (Bild: Nabu Tübingen)
Mehlschwalbe (Bild: Nabu Tübingen)

Gebäudebrüter wie Mauersegler, Spatzen, Fledermäuse, Schwalben, Turmfalken und Dohlen haben sich im Laufe der Jahrhunderte als sogenannte „Kulturfolger“ an den Menschen angepasst und eine Spezialisierung entwickelt. Oft leben sie jahrelang als unbemerkte Mitbewohner unter dem Dach. Auf Veränderungen an den von ihnen genutzten Gebäuden können sie kaum reagieren. Bei Sanierungen, Umbau oder Abbruch verlieren sie häufig ihr Quartier, ihre Brut und nicht selten ihr Leben. Ihr Bestandsrückgang ist seit den 90ern ein schleichender Prozess.
Mit Nisthilfeprogrammen kann hier sehr effektiv geholfen werden.


Initiative Bunte Wiese

Für mehr Artenvielfalt auf öffentlichem Grün

Wiesenglockenblume (Foto: Oppermann)
Wiesenglockenblume (Foto: Oppermann)

Die „Bunte Wiese“ ist eine Initiative zur Förderung der Artenvielfalt auf öffentlichen Grünflächen. Sie wurde im Zuge des Jahres der Biodiversität 2010 von Studierenden und MitarbeiterInnen der Universität Tübingen gegründet. Diese setzen sich für ein nachhaltiges Pflegekonzept der öffentlichen Parks und Grünanlagen der Stadt Tübingen ein. Gemeinsam mit der Stadt Tübingen und dem Amt Tübingen von Vermögen und Bau Baden-Württemberg werden bestehende Maßnahmen überdacht und verbessert. Anknüpfend an bereits bestehende Ideen soll ein exemplarisches Konzept entwickelt und verwirklicht werden, dass zeigt, wie Artenvielfalt schon auf kleinen Flächen gefördert werden kann.

 

Ziele sind die Förderung der Artenvielfalt, die n aturschutzfachliche Optimierung und Begleitung der Pflege von öffentlichen Grünflächen und die Mobilisierung von anderen öffentlichen Einrichtungen, Betrieben und Privatpersonen zur Durchführung ähnlicher Projekte.  Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage der Bunten Wiese Tübingen.


Bibliothek

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Praxis in städtischen Ballungsräumen (NABU Deutschland)
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Animal-Aided Design: Bauen für Mensch und Tier (TU München)
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