Bauanleitung für Nisttöpfe

Nisthilfen mit einfachsten Materialien


Foto: Uwe Brauner
Foto: Uwe Brauner

1. FERTIGUNG:

Man nehme ein quadratisches, sägerauhes und imprägniertes Fichtenholzbrett mit einer Seitenlänge von 25 cm und einer Dicke von 2,5 cm und perforiere es mittig  an den Rändern zweier gegenüberliegender Seiten.


Man nehme einen Blumentopf aus Ton (nicht aus Kunststoff, sonst schlägt sich  das Schwitzwasser der Jungvögel an den Wänden nieder) der Größe 21 des italienischen Fabrikats "Deroma", das z.B. in BayWa-Baumärkten erhältlich ist (die deutschen Fabrikate etwa bei Hornbach und toom sind zu hart zum Bearbeiten) und perforiere ihn mit einem 6 mm dicken Betonbohrer (er verschleißt langsamer als ein Steinbohrer) ebenfalls mittig an zwei gegenüberliegenden Stellen unmittelbar unter dem Randwulst des Topfes.


Man bohre mit einem 33 mm - Fliesenlochbohrer das Flugloch unter den Rand (der Topf wird dazu auf einen Balken gestülpt, der mit Schraubzwingen waagrecht auf einem Tisch zu fixieren ist; das Flugloch darf höchstens 0,5 cm dicht unter den Topfrand gesetzt werden, sonst wird der Topf beim Bohren allzu leicht zerrissen). Entschärfen Sie die äußere und innere Kante des Fluglochs in seiner unteren Hälfte. Hierzu ist etwa ein scharfkantiges Metallstück geeignet.


Foto: Uwe Brauner
Foto: Uwe Brauner

2. MONTAGE:

Man verbinde den Topf durch ein 120cm langes Stück dicken Spanndraht mit dem  Brett. Das Drahtstück wird dabei zuerst durch die beiden Löcher im Topf gesteckt,  dann die beiden - ungleich langen - Enden nach oben gebogen und durch die  beiden Löcher im Brett geführt.

Man forme aus den beiden aufragenden Draht-Enden einen Aufhängebügel und  neige ihn zur Gegenseite des Fluglochs, um beim aufgehängten Topf eine  Schräglage des Daches zu erzielen, die den Regen ablaufen lässt.


Foto: Uwe Brauner
Foto: Uwe Brauner

3. ANMERKUNGEN:

Man kann sich die Bretter auch von einem Holzimprägnierwerk imprägnieren lassen, es kostet bei mir in der Gegend (Fa. Durst in Walddorfhäslach) nur einen  Euro pro Brett, und sogar nur 12 Cent, wenn man die Bretter selbst besorgt. Wenn das Brett nicht plan ist und nicht überall direkt am Topf abschließt, stellt dies kein Problem für die Meisen dar, weder wegen Regenwasser noch wegen vermehrtem Lichteinfall.


Eine Steinfliese ist nur in den wenigen Gebieten, wo Spechte so gewitzt sind, das  Dach einzuschlagen, dem Brett vorzuziehen. Es muss dann eine Bodenfliese  (keine Wandfliese) sein, denn nur sie ist witterungsbeständig und stabil. Sie ist  fast nur mit einem Diamant-Bohrer perforierbar. Er kostet etwa 12 Euro und darf  nur mit dem Gewicht der Bohrmaschine und des Armes im Bohrloch stehen. Bei  höherer Auflagekraft wird der Diamant-Besatz abgerieben, der Bohrer also zerstört (davor wird man in Fliesenläden durchaus nicht gewarnt...).


Es dauert 5 bis 10 Minuten, bis man durch ist. Und man muss mit Wasserkühlung arbeiten, es muss immer Wasser im Bohrloch sein. Ein Betonbohrer für den Topf ist zwar etwas teurer als ein Steinbohrer, aber er verschleißt unverhältnismäßig langsamer als letzterer.

Es empfiehlt sich Draht von 3,8 mm Dicke. Er sollte aber richtig starr sein; bei  Toom gibt es einen grün umwickelten Draht, der dafür eigentlich zu weich ist.  Ungeeignet für eine schnelle Produktion ist nicht umwickelter Draht, denn man  muss seine abgetrennten scharfen Enden stumpf feilen, um sich und die Vögel  damit nicht zu verletzen. Hornbach hat umwickelten Spanndraht mit ausreichender  Starre, um den Topf auch unter sommerlicher Hitze-Einwirkung auf den Draht in  seiner leicht nach vorne geneigten Position zu halten (allerdings ist die neueste  Generation des Hornbach-Spanndrahts von 2012 leider auch weicher als die vorige).

Es ist ratsam, für die Löcher im Brett als auch im Topf keinen dünneren als den 6  mm-Bohrer zu wählen, weil der Draht darin Spielraum braucht. Wären die Löcher  im Brett so eng, dass der Draht in ungebogenem Zustand gerade noch  durchpasst, könnte man es bei der Reinigung nur unter größerem Kraftaufwand  hochschieben, denn der Draht wird infolge der nach seiner Reinigung erneuerten  Biegung Jahr für Jahr unebener. Zudem quellen die Löcher durch das  Regenwasser ein wenig zu. Dasselbe Problem ergäbe sich auch beim Einführen  des Drahts in den Topf, wenn er dort kein Spiel in den Löchern hätte.

 

Ein Spechtschutz ist nicht nötig, denn der Ton ist hart genug, um die Erweiterung  des Fluglochs und den anschließenden Nestraub durch den "Zimmermann des  Waldes" auf jeden Fall zu vereiteln.


Auch eine Abdeckung des Bodenlochs im Topf ist nicht nötig, im Gegenteil, häufig  findet man ein dafür lose eingelegtes Plättchen bei der jährlichen Reinigung  mitten im Nestmaterial als Fremdkörper wieder. Man kann einen Zaunpfahl oder  einen Balken in Scheiben schneiden und diese dann einlegen. Ist die Scheibe 1  cm dick, kann sie beim Nestbau von den Meisen kaum mehr aufgestellt werden.  Bei genau in den Boden eingepasster Zaunpfahl- oder Balkengröße kippeln die Scheiben auf dem Topfboden, was die Vögel verunsichern könnte. Besser ist es  deshalb wohl, einen etwas größeren Umfang zu wählen, bei dem sich die  Scheibe dicht über dem Topfboden im Konus des Topfes verkeilt, also fest arretiert  wird.

 

Wer Sumpfmeisen bevorzugen möchte, kann einen kleineren Topf nehmen (17 oder 15), wer Kleiber begünstigen möchte, kann die Topfgröße 23 und ein entsprechend größeres Brett nehmen.

Die Verwendung der Topf-Konstruktion für größere Vögel wie den Waldkauz oder  für Eichhörnchen scheint ein dankbares Experimentierfeld zu sein.

Gutes Gelingen!  Uwe Brauner, Tübingen (u.brauner@gmx.de)