Schutzgebiet Wiesbrunnen

Das NABU-Schutzgebiet Wiesbrunnen vermittelt einen Eindruck, wie das Ammertal noch vor 200 Jahren an vielen Stellen aussah. Während der Rest des Tals durch zahllose Gräben entwässert wird, behält der Wiesbrunnen weitgehend seine Feuchtigkeit. Sie ist überlebenswichtig für Seggen, Sumpfdotterblumen und Weiden, die Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten Laubfrosch bieten. Rohrammer, Feldschwirl, Sumpfrohrsänger und Zwergtaucher brüten hier.

Wiesbrunnen bei Unterjesingen (Bild: Andreij Stein)
Wiesbrunnen bei Unterjesingen (Bild: Andreij Stein)

Amphibienschutz: Frösche und Kröten auf Wanderschaft

Laubfrosch (Bild: Antje Trapp-Frank)
Laubfrosch (Bild: Antje Trapp-Frank)

Der Wiesbrunnen ist für Kröten, Frösche und Lurche ein zentrales Laichgebiet im Ammertal. Jedes Frühjahr wandern unzählige Erdkröten vom Pfaffenberg ins Tal um dort zu laichen, wo sie selbst zur  Welt gekommen sind. Dafür müssen die Tiere die Landstraße L371 zwischen Wurmlingen und Unterjesingen überqueren. Damit die Tiere nicht zu Tode kommen, baut der NABU Tübingen jedes Jahr auf Höhe des Wiesbrunnens entlang der Landstraße ein Amphibien-Leitsystem mit Schutzzäunen auf. Ehrenamtliche Unterjesinger Bürgerinnen und Bürger sowie die Stadt Tübingen unterstützen uns bei dieser Maßnahme.

Tatkräftige Unterstützung beim Auf- und Abbau von Krötenzäunen sowie regelmäßige Kontrollgänge sind notwendig und können nur mit Ihrer Hilfe durchgeführt werden. Ausführliche Informationen und Tipps rund um den Schutz und die Gefährdung von Amphibien bietet der NABU auf einer Website speziell zum Amphibien- und Reptilienschutz.


Pflege und Monitoring

Juli 2019

Lebensraum für die Bekassine – ein Erfolg!

Die umfangreichen Baggerarbeiten und fortgesetzten Pflegemaßnahmen an unserem Biotop „Wiesbrunnen“ haben dazu geführt, dass die Bekassine weiterhin hier einen Lebensraum findet. Sie gehört zur Familie der Schnepfenvögel und fällt durch ihren langen Schnabel auf. Als Watvogel braucht sie zur Brutzeit feuchte Standorte, wo sie ihre Nahrung sucht. Durch intensive Landwirtschaft, die diese feuchten Wiesen entwässert, und die Zersiedelung der Brutgebiete geriet sie in Deutschland auf die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Wir freuen uns sehr, dass es gelang, diesen Vögeln eine Heimat zu geben und wir sie jetzt noch im Juli fotografieren konnten. Auch der Zugvogel Waldwasserläufer hat sich am Wiesbrunnen eingefunden. Wir werden über die weitere Entwicklung des Biotops berichten.


Oktober 2018

Biotopstrukturierung mit Bagger

Im Oktober haben wir die Biotope Wiesbrunnen und Rohrwiesen mit Bagger-Einsätzen vor der Verschlammung bewahrt. Am Biotop Rohrwiesen wurde der Uferbereich vom Schilf befreit und neue Blänken angelegt. Mit Hilfe dieser Maßnahme haben seltene Arten wie der Laubfrosch oder die Bekassine wieder Lebensraum. Die Kosten dieser Einsätze wurden durch Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie durch eine Förderung vom Landkreis gedeckt.


Sommer 2017

Schonende Beweidung mit Hochlandrindern zum Schutz der Bekassine

Bekassinen weisen wie viele andere Schnepfenvögel auch, durch den Verlust geeigneter Lebensräume, einen großen Rückgang in ihren Beständen auf. Dies sind in erster Linie feuchte Offenlandschaften. Ursprünglich gab es im Ammertal, in dem der Wiesbrunnen liegt, eine große Zahl dieser Landschaftsstrukturen. Durch die heutige landwirtschaftliche Nutzungen sind diese Lebensräume größten Teils verloren gegangen. Eine Beweidung ihres Lebensraumes durch Hochlandrinder garantiert eine optimale Gestaltung einer solchen feuchten Offenlandstruktur und stellt für die Bekassine einen bevorzugten Lebensraum dar, in dem sie sich wohlfühlt.

Als gewünschter Nebeneffekt profitieren auch viele andere Tierarten von dieser ökologischen Form der Landwirtschaft. Dadurch fühlen sich auch viele Schmetterlinge, Amphibien und Insekten am Wiesbrunnen wohl, und man kann dort eine Artenvielfalt bewundern, die früher im Ammertal normal war, heute aber eine Seltenheit darstellt. Somit können wir durch dieses Projekt nicht nur zeigen, dass ökologische Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung möglich ist, sondern leisten einen großen Beitrag, um die Artenvielfalt im Kreis Tübingen zu erhalten und wenn möglich zu vergrößern. Für dieses Projekt erhielt der NABU Tübingen von den Tübinger Stadtwerken den 5. Jurypreis (Umweltpreis 2018).