Das Pilotprojekt untersucht, ob künstliche Laichgewässer („Wannen“) im naturnah bewirtschafteten Wald eine geeignete Maßnahme zum Schutz der stark gefährdeten Gelbbauchunke darstellen. Hintergrund ist ein Zielkonflikt: Einerseits fördert das Alt- und Totholzkonzept Baden-Württembergs ökologisch wertvolle, unbewirtschaftete Waldrefugien. Andererseits profitieren Gelbbauchunken bislang von wassergefüllten Radspuren schwerer Forstmaschinen, die als Laichgewässer dienen. Durch weniger Befahrung sowie zunehmend heiße und trockene Sommer nimmt die Zahl geeigneter Kleingewässer ab.
Als ergänzende Maßnahme wurden im Rammert bei Tübingen drei Kunststoffwannen als künstliche Tümpel eingerichtet: zwei eingegrabene („Wiesentümpel“, „Talsee“) und eine aufgestellte mit Rampen („Vulkansee“). Die Standorte wurden anhand früherer Unkenvorkommen ausgewählt. Bereits wenige Tage nach Installation wurden die Wannen von adulten Gelbbauchunken besiedelt; Laich, Kaulquappen und später Metamorphlinge konnten regelmäßig nachgewiesen werden. Die Entwicklungsdauer vom Laich bis zum Metamorphling betrug je nach Wanne 43 bis 60 Tage. Damit verlief die Entwicklung vergleichbar mit jener in natürlichen Radspuren in niederschlagsreichen Jahren.
Ein wesentlicher Vorteil der Wannen besteht darin, dass sie auch in Trockenphasen Wasser halten und somit witterungsunabhängiger sind. 2025 trockneten über die Hälfte der natürlichen Kleingewässer zeitweise aus; der Reproduktionserfolg lag dort nur bei etwa 10 %, während er in regenreichen Jahren deutlich höher ist. In den Wannen blieb das Wasser stabil verfügbar. Die Wasserqualität (pH-Wert, Sauerstoff, Temperatur) lag durchweg im unkritischen Bereich. Zusätzlich getestete Fütterung mit Chinakohl wurde von Kaulquappen gut angenommen, ihr Einfluss auf den Reproduktionserfolg bleibt jedoch offen.
Für die Praxis werden Befüllungszeiträume zwischen Mitte April und Mitte Mai empfohlen. Auch eine versetzte Befüllung mehrerer Wannen könnte Vorteile bringen. Perspektivisch könnten Wannen zudem als Ausgleichsmaßnahme bei Bauvorhaben – etwa im Umfeld geplanter Windkraftanlagen – dienen, um Populationen gezielt zu sichern oder umzusiedeln.
Insgesamt zeigt das Projekt, dass künstliche Wannen eine praktikable, flexible und klimaresiliente Ergänzung zu natürlichen Kleingewässern darstellen und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Gelbbauchunke leisten können.
Die Details können im unten verlinkten Jahresbericht nachgelesen werden.

